Was uns verbindet - oder nicht: Aggression und Hunderassen

Aggression ist keine Krankheit, sondern eine wichtige Überlebensstrategie. Hunde sind zwar Haustiere geworden, aber sie sind und bleiben Tiere. Was würde wohl passieren, wenn ein Tier in freier Wildbahn seine Beute nicht gegen Feinde verteidigen würde? Wenn er Schlafplätze und Territorien wehrlos anderen überließe? Diese Tiere könnten nicht überleben. Gerade die so wichtige Nahrung wird immer verteidigt, auch wenn der Feind größer und stärker ist.

Drohen statt kämpfen

Eine wichtige Strategie von Hunden ist es, Aggressionen zu vermeiden. Deshalb gibt es komplexe Verhaltensweisen - Drohgebärden, Imponiergehabe - die den Gegner beeindrucken und einen Kampf möglichst vermeiden sollen. Denn der bedeutet für alle Beteiligten hohe Risiken und Verletzungsgefahr.

Geschichte der Angst

Aggression ist eine angeborene Emotion, deren Grundlage Gene sind, die unter anderem für die Verarbeitung von Reizen zuständig sind. Aber die Taktik, also wann und wie aggressiv reagiert wird, hängt stark von der Umwelt, von Lernvorgängen und bestimmten Reizen ab. Oft haben Aggressionen eine Vorgeschichte der Angst, zum Beispiel wenn Hunde harten Strafen, Gewalt oder Mobbing ausgeliefert waren.


Rasselisten nicht haltbar

Für besonders heftige Diskussionen sorgen immer wieder sogenannte Rasselisten. Dabei ist wissenschaftlich klar zu belegen, dass sich Hunde NICHT rassegebunden gleich verhalten.

Vielmehr ist die Beziehung zwischen Halter und Hund ein zuverlässiger Hinweis auf potenzielle Gefahren. Es geht um soziologische Probleme wie den Missbrauch von Hunden und nicht um einzelne Rassen. Zwar können bestimmte Reaktionsnormen, zum Beispiel die Intensität einer Reaktion, rassespezifisch sein, aber sie entwickeln sich im Zusammenspiel mit dem Umfeld des Hundes.

Einer bestimmten Rasse ein hohes Gefährdungspotenzial zu attestieren, schürt nur Angst und ist populistische Stimmungsmache. Dass sich Millionen Hunde gleich verhalten oder auf Reize gleich reagieren ist verhaltensbiologisch nicht haltbar und schlichtweg absurd. Jeder Hund ist individuell, es gibt jedes Gehirn nur einmal, jeder Hund wird geprägt von individuellen Erfahrungen und Lebensbedingungen.


Eine Untersuchung des Instituts für Tierschutz und Verhalten der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover kam kürzlich zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen Rasse, Alter oder Geschlecht des Hundes und dem Nicht-Bestehen eines Wesenstests gibt.


Sozialisation und Aufklärung

Die beste Vorsorge, aggressives Verhalten zu verhindern, ist eine gute und vor allem artgerechte Sozialisation des Hundes an Menschen, Artgenossen, Straßenlärm und andere alltägliche Reize.


Auf der anderen Seite ist auch die Aufklärung der Menschen wichtig: Warum verhält sich ein Hund so oder so? Wie verhalte ich mich, wenn ein Hund mir droht? Wissen schafft auch hier Sicherheit und kann Unfälle vermeiden. Vor allem Kinder sollten früh über hundliches Verhalten aufgeklärt und in richtigem Umgang mit Hunden geschult werden.

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